Zungen- und Lippenband

Zungen- und Lippenband 

Unter der Zunge liegt das sogenannte Zungenband (lateinisch Frenulum linguae), das bei vielen Menschen sichtbar wird, wenn man die Zungenspitze in Richtung Gaumen hebt oder die Zunge am Gaumen ansaugt.

Unter der Oberlippe liegt das Lippenband  (Frenulum labii superioris bzw. inferioris), das beim Anheben der Oberlippe ersichtlich wird.

Diese „Bänder“ verbleiben nach der embryonalen Entwicklung als Überrest der körpermittigen "Naht". Sie haben keine Funktionen. Im Normalfall behindern diese Bänder die Zungen- bzw. Lippenfunktionen nicht.

In manchen Fällen aber sind sie so straff oder liegen so weit vorne, dass die Zunge und/ oder die Lippe in ihrer Beweglichkeit massiv eingeschränkt werden. Insbesondere die Zunge wird mitunter am Mundboden „festgehalten“, so dass die Funktionsfähigkeit eingeschränkt ist (Ankyloglosson).

Man unterscheidet ein vorderes (anteriores) und ein hinteres (posteriores) Zungenband, die bei Auffälligkeiten unterschiedliche Bewegungseinschränkungen und damit unterschiedliche Folgen nach sich ziehen. Das posteriore Zungenband ist zudem nicht so leicht einzuschätzen.

Funktionseinschränkungen können folgende Symptome nach sich ziehen:

  • Stillprobleme, damit Gefährdung der Stillbeziehung (z.B. schmerzende Brustwarzen, ineffektives Trinken, Verlust der Brustwarze durch erschwertes Halten der Brust im Mund, u.v.m.)
  • Ernährungsprobleme
  • Zahn-, Kieferfehlstellungen
  • Mangelnde Mundhygiene (durch fehlende Selbstreinigung bei frei beweglicher Zunge)
  • Aussprachestörungen
  • Sekundäre Schmerzen (Kopf, Gesicht, Kiefer) durch Kompensation
  • Orofaziale Dysfunktionen (ungünstiges Schluckmuster, inkompletter Mundschluß, Zungenruhelage an den Zähnen oder im Unterkiefer), lautes Schlucken
  • Schnarchen
  • Soziale Einschränkungen (aufgrund der genannten Schwierigkeiten, mangelndes Selbstvertrauen)

Eine fachärztliche möglichst auf Mundbänder spezialisierte Abklärung ist erforderlich und kann ergeben, dass die Durchtrennung eines Mundbandes notwendig wird.

Die Operation ist ein recht kleiner Eingriff und wird nach verschiedenen Verfahren durchgeführt.

Spätestens im Anschluss an die Operation (im Idealfall schon vorher) sollten Zungen- bzw. Lippenübungen (s. Rückseite) durchgeführt werden, um die Muskulatur vorzubereiten, zu stärken, ein Verwachsen der Wunde zu vermeiden und physiologische Bewegungsmuster erzielen zu können.

Bei Einschränkungen bezüglich des Saugens, der Aussprache oder des Schluckens erfolgen darüber hinaus Übungen, die in entsprechenden Behandlungen (Logopädie, Stillberatung, Physiotherapie) angeleitet werden.