Late Talker / Späte Sprecher

Wenn Zweijährige noch nicht sprechen

Frühe Wortschatzentwicklung

Mit 9 Monaten macht Ihr Kind durch Gesten und Mimik deutlich, wenn es einen Wunsch hat. Es wendet sich Geräuschen und anderen interessanten Dingen zu.

Mit 18 Monaten versteht Ihr Kind kurze Aufforderungen, spielt „So tun als ob“-Spiele.

Mit 24 Monaten sollte Ihr Kind mindestens 50 Wörter verschiedener Wortarten, u.a. erste Verben sprechen.

Spricht Ihr Kind in diesem Alter weniger, so gehört es zur Gruppe der LATE TALKER.

Mit 30 Monaten sollte Ihr Kind mindestens 100 verschiedene Wörter sprechen.

 

Holen Sie fachliche Beratung ein, wenn

  • Ihr Kind mit 10-12 Monaten auf leise Ansprache nicht reagiert, nicht auf Geräusche reagiert oder sich die Lautproduktion deutlich verringert.
  • Ihr Kind mit 12 Monaten keine Silbenketten hintereinander produziert (z.B. gagaga, gabara) oder es durch Gestik und Mimik nicht deutlich macht, wenn es einen Wunsch hat.
  • Ihr Kind mit 24 Monaten weniger als 50 Wörter spricht.
  • Ihr Kind mit drei Jahren nach wie vor nur wenig oder sehr schwer verständlich spricht.
  • Ihr Kind mit vier Jahren nicht einen altersgerechten Wortschatz, altersgerechte Aussprache oder altersgerechten Satzbau zeigt.

Mit 24 Monaten können Fachleute ermitteln, ob es sich um „normale“ Abweichungen oder um eine „auffällige“ Sprachentwicklung handelt. Nur etwa ein Drittel der Late Talker entwickelt sich ohne sprachtherapeutische Unterstützung gut weiter, wobei auch diese Kinder ein hohes Risiko für weitere spätere Sprachauffälligkeiten in sich tragen. Das heißt der größere Anteil der Late Talker benötigt Therapie. Ab dem 3. Lebensjahr spricht man von einer Sprachentwicklungsstörung.

Hörstörungen, Intelligenzminderung und tief greifende Entwicklungsstörungen müssen ausgeschlossen werden.

Symptome/ Folgen (nicht alle Symptome müssen auftreten)

  • Kein oder ungenügender Blickkontakt
  • Reines Funktionsspiel noch mit 1,5 Jahren (ein-/ ausladen, auf-/ zumachen,…)
  • Später Sprechbeginn: erst lange nach dem ersten Geburtstag
  • Eingeschränktes Sprachverständnis
  • Langsamer Wortschatzzuwachs: weniger als 50 aktiv gebrauchte Wörter im zweiten Lebensjahr
  • Schwer verständliche Aussprache auch noch mit drei Jahren: nur enge Vertraute verstehen einige Äußerungen
  • Falscher Satzbau: fehlerhafte Wortstellung im Satz, Tätigkeitswörter werden in der Grundform genannt, Artikel werden unpassend verwendet

Mögliche Spätfolgen

  • Wortfindungsstörungen: bekannte Wörter können nicht immer zuverlässig abgerufen werden
  • Eingeschränkte Erzählfähigkeit im Vorschul- und Schulalter: Geschichten werden ungenau erzählt
  • Schwierigkeiten beim Lesen und/ oder Schreiben: langsames Lesen, viele Rechtschreibfehler
  • Erschwerter Fremdsprachenerwerb: Vokabeln und grammatische Regeln werden nur mit großer Anstrengung gelernt

Ursachen

Die Ursachen sind unklar. Elterliches Vorbild und die Erziehung werden nicht als Ursache für spätes Sprechen beschrieben. Förderliches Kommunikationsverhalten kann die Entwicklung eines Late Talkers aber positiv beeinflussen. 10-20% aller Zweijährigen gelten als Late Talker. Etwa ein Drittel holt die Sprachentwicklungsverzögerung bis zum dritten Lebensjahr auf. Die anderen Kinder zeigen auch in den folgenden Jahren noch Sprachauffälligkeiten. Mit einer ausreichend frühen Sprachtherapie kann Kindern mit Sprachentwicklungsstörungen gut geholfen werden.

Therapie

Die Therapie wird von Sprachtherapeuten/ Logopäden durchgeführt. Sie sollte eine Diagnostik und Beratung beinhalten.

In der Diagnostik sind folgende Bereiche Thema:

  • Kommunikationsverhalten
  • Symbolische Fähigkeiten (Spielentwicklung)
  • Sprachverstehen
  • Sprachproduktion

In der Beratung sollte eine ausführliche Aufklärung über den aktuellen Sprachstatus Ihres Kindes (Sprachverstehen, Kommunikationsverhalten, Spielentwicklungsstand, u.a.) gegeben werden. Zudem erfahren Sie, wie Sie Ihr Kind sprachlich und spielerisch unterstützen können.

Der Therapieinhalt hängt sehr vom aktuellen Stand Ihres Kindes ab. So können die Spielentwicklung, der Blickkontakt, der Wortschatz, die Aussprache oder auch die Grammatik  im Fokus der Therapie stehen.

 

Informationen aus: „Late Talker – Späte Sprecher – Wenn zweijährige Kinder noch nicht sprechen“, Claudia Schlesiger, Melanie Mühlhaus, Schulz-Kirchner-Verlag, 2. Aufl., 2013