Eingeschränkter Wortschatz

Die kindliche Entwicklung des Wortschatzes umfasst mehrere Entwicklungsebenen. Zum einen zählt hierzu natürlich die Lexikonentwicklung: wie viele Wörter kennt das Kind bereits? Dies umfasst das Wortverständnis und die Wortproduktion verschiedener Wortarten (Verben, Nomen, Adjektive, Präpositionen, etc.). Zum anderen zählt zum Wortschatzerwerb auch die Strukturierung und Vernetzung der o.g. Wortarten, also die Kategorisierung der Wörter nach Merkmalen und der Aufbau eines hierarchischen Netzwerkes (auch Semantik genannt; Ober- und Unterbegriffe, Gegensatzbeziehungen bei Adjektiven etc.).

Mögliche Symptome einer Wortschatzstörung

  • kleiner produktiver Wortschatz
  • mit 2 Jahren werden weniger als 50 Worte gesprochen (s. hierzu auch Late Talker / Späte Sprecher)
  • Geringe Vorläuferfähigkeiten für den Wortschatzerwerb wie z.B. Blickkontakt zwischen Gegenstand und Gegenüber, Objektpermanenz (der Gegenstand ist noch da, auch wenn ich ihn nicht mehr sehe), Symbolspiel (so tun als ob – Verfremden von Gegenständen) etc.
  • Sprechen erster Wörter in stark veränderter Weise: zweisilbige Wörter werden oft als Einsilber ausgesprochen, die Wortbetonung erscheint auffällig
  • Kind imitiert keine Wörter
  • Kind muss neue Wörter sehr häufig angeboten bekommen, um sie zu verstehen und vor allem selbst zu produzieren
  • Benennung von Gegenständen und Personen, aber Gebrauch nur weniger Verben, Adjektive oder Pronomen
  • Produktion einfacher, häufig vorkommender statt differenzierterer Wörter (z.B. gehen statt laufen, rennen, schleichen, hoppeln,...)
  • Fehlerhafte Nutzung von Präpositionen oder Eigenschaftsbezeichnungen (z.B. Der Ball liegt neben dem Schrank. – tatsächlicher Ort: hinter dem Schrank)
  • Keine/ seltene Verwendung von Oberbegriffen (z.B. Ein Elefant ist auch ein Tier.)
  • Geringes Entdecken ähnlicher Merkmale (z.B. Der Stift hat einen Deckel – genau wie die Dose und der Topf.)
  • Oberflächlich erscheinende Geschichten, die aufgrund wiederkehrender Formulierungen oder allgemeiner Wortwahl unspezifisch bleiben (s. hierzu auch Eingeschränkte Formulierungsfähigkeit)

Wortverständnis und Semantik lassen sich ohne standardisierte Testverfahren kaum objektiv einschätzen. Häufig wird die Verständnisleistung eines Kindes von Eltern, Erziehern und auch Therapeuten überschätzt, da das Kind mittels situativer Hinweise und Schlüsselwortstrategien eingeschränktes Wortwissen zu kompensieren versucht. Doch die Ausdrucksweise und später auch die Wortfindungskompetenzen (s. hierzu auch Kindliche Wortfindungsstörungen) hängen maßgeblich von einem ausgewogenen und ausdifferenzierten passiven und aktiven Wortschatz sowie einer guten Strukturierung dieses Wortschatzes ab. Gern untersuchen wir Ihr Kind und beraten Sie, wenn Sie unsicher sind, ob das Wortschatzniveau dem Alter des Kindes entspricht. Eine spezifisch auf das Wortschatzprofil ihres Kindes ausgerichtete Therapie kann helfen, neue Wortarten, Relationen oder Merkmale zu entdecken.