Fütterstörungen

Eingeschränkte Nahrungswahl, würgen, Verweigerung, etc.

Saug-/ Trinkschwäche: Von einer Saug- oder Trinkschwäche spricht man, wenn ein Säugling nicht ausreichend saugen kann, ungewöhnlich lange zur Nahrungsaufnahme braucht, sich u.U. gelegentlich verschluckt, beim Trinken unruhig/ gestresst wirkt, unkoordiniert trinkt, Gewicht verliert oder nicht weiter zunimmt... Ursächlich ist u.U. ein ungenügender Sogaufbau, eine allgemeine Unreife/ Schwäche (bei z.B. Frühgeborenen) = Saugschwäche oder eine Schwierigkeit das Saugen, Schlucken und Atmen korrekt zu koordinieren (=Trinkschwäche), u.a.

Ernährung im Säuglings- und Kindesalter: Trink- und Essentwicklung 

Trink- und Essentwicklung 

Erste Monate 
kontinuierliche Saugphase: unwillkürliches, reaktives Saugmuster durch Suchreaktion/ Platzieren eines Saugers oder einer Brustwarze auf der Zunge ausgelöst (nicht willentlich beeinflussbar), Seitwärtsbewegungen der Zunge nicht möglich. 

2-4. Monat 
intermittierende Saugphase: allmählich erlerntes motorisches Programm, willentliches Saugen, häufigere Pausen/ Absetzen, aktivere Teilnahme am Füttern aus der Flasche o. der Brust. 

5.-7. Monat
Übergang zur Breikost, anfänglich Absaugen des Löffels, tlw. aus dem Mund quellender Brei aufgrund der Zungenprotrusion. Sensible Phase der Geschmacksentwicklung, daher vielseitiges Angebot ermöglichen.

7.-9. Monat
aktiverer Lippeneinsatz, Brei wird vom Löffel abgezogen, erste seitliche Bewegungen der Zunge, Brei kann bereits kleinere Stückchen enthalten, Trinken aus dem Trinklernbecher.

10.-12. Monat
erste eigene Versuche mit dem Löffel zu essen.

12.-18. Monat
tlw. selbstständiges Essen, kein Brei mehr, sondern Familienkost, Trinken aus einem Becher.

18.-24. Monat
selbstständiges Essen

Fütterstörung: Frühkindliche Anpassungsstörung beim Stillen, beim Übergang zurFlasche, zu Brei oder fester Nahrung. Inadäquate Nahrungsaufnahme, wählerisches Essverhalten, z.T. Verweigerungsverhalten, länger als 4 Wochen, Entstehung vor dem 6.Lj., mit Gedeihstörung verbunden.

Essstörung: Bei Kindern eher Saug-, Trink- oder Schluckstörungen. Bei Jugendlichen/ Erwachsenen Bulimie oder Magersucht.

Myofunktionelle Störung/ Orofaziale Dysfunktion: Muskuläres Ungleichgewicht der Gesichts- und Mundmuskulatur, häufig verbunden mit Kieferfehlstellungen, auffälligem Schluckmuster, keine typische Schluckstörung im Sinne von Beeinträchtigungen des Nahrungstransportes.

Kindliche Dysphagie: Störungen in der Aufnahme, Verarbeitung und im Transport von Nahrung und Speichel durch angeborene und/ oder erworbene neurologische Erkrankungen oder Verhaltensmuster (z.B. Unfall, Syndrom,…) 

Wann stelle ich mein Kind vor?

  • unkoordiniertes Schlucken und Saugen, erkennbar durch Milchverlust oder Husten
  • häufiges Verschlucken, Würgen oder Husten während des Fütterns
  • Atemunterbrechungen oder Stillstände während des Saugens
  • Gurgelig klingende Stimme
  • Schwaches Saugen und/ oder Ihr Kind trinkt nicht ausreichend Milch
  • Verlust der Brust/ des Saugers, häufige Unterbrechungen
  • Schwierigkeiten bei der Umstellung auf die nächste Koststufe (z.B. von Brei auf feste Nahrung)
  • Erhöhte Temperatur
  • Gewichtsverlust oder mangelnde Gewichtszunahme über 2-3 Monate
  • Unerklärliche Essensverweigerung und Unterernährung
  • Ernsthafte Irritationen/ Verhaltensprobleme während des Fütterns, z.B. Kind isst nur bei Ablenkung, Kind verweigert sich häufig, Essen als „Kampf“
  • Wiederholte Atemwegsinfekte o. Lungenentzündung im Zusammenhang mit Fütterschwierigkeiten (beim Verschlucken geraten Speisereste u.U. in die Lunge)
  • Häufiges schnelles Einschlafen oder erhöhte Aktivität während des Fütterns
  • Fütterzeiten länger als 30-40 Minuten
  • „Sabbern“ über" das Alter von 5 Jahren hinaus
  • Austreten von Nahrung oder Flüssigkeit aus dem Mund oder der Nase

 

Generelle Empfehlungen für das Füttern

  • Ruhige Umgebung (Ortswechsel, Geräusche, viele Personen können das Kind irritieren)
  • Stabile Fütterposition: bei Säuglingen leicht gebeugte Haltung, Arme und Hände zur Körpermitte, gut gestützte Schultern und Rücken, sicher gehalten, Füße etwas abgestützt
  • Günstiger Flaschensauger (Form, Größe, hohe/ niedrige Milchflussgeschwindigkeit)
  • Füttern Sie, wenn das Kind wach ist und Hunger hat. Schauen Sie ob Sie bei Ihrem Säugling eine Suchreaktion durch das Berühren der Wangen oder Lippen hervorrufen können. Warten Sie diese möglichst immer ab, bevor Sie füttern. Andernfalls kann es zu Würgreaktionen kommen.
  • Zeitlicher Rhythmus: Pausen mind. 2 Std., eine Mahlzeit nicht länger als 30 Minuten
  • Lassen Sie Sich frühzeitig beraten, sobald die Füttersituation, bzw. die Eltern-Kind-Interaktion belastet ist.
  • Regelmäßige Mahlzeiten
  • Kein Anbieten von Nahrung zwischen diesen Zeiten, insb. keine gesüßten Flüssigkeiten oder Milch
  • Kein Füttern ohne kindliches Signal
  • Keine Ablenkung beim Essen

 

Was in der Logopädie geleistet werden kann

  • Beratung und/ oder Therapie
  • Unterstützung der Eltern-Kind-Interaktion
  • Förderung des Saugens
  • Abbau von Hyper-/ Hyposensibilität
  • Verbesserung der Trink- und Esskoordination (Saugen – Schlucken – Atmen, Koordination der Hand-Mund-Bewegungen)
  • Unterstützung der oralmotorischen Entwicklung Ihres Kindes
  • Erarbeitung altersgerechter, vielseitiger Kost
  • Hilfestellungen zur Kostanpassung, Materialvorstellung zu alternativen Trink- und Esslernmethoden
  • Erwerb von Füttertechniken

 

Informationen aus: „Ernährung im Säuglings- und Kindesalters – Entwicklung und Auffälligkeiten“, Nicole Hübl/ Silke Winkler, Schulz-Kirchner-Verlag, 1. Aufl., 2013